Meine Garten-Philosophie

Mit dem Garten möchte ich einen Raum schaffen, der Ruhe ausstrahlt, und in Form und Farbe abgestimmt ist. Durch Sichtachsen bekommt er Kontakt mit der Umgebung und den Nachbarakzenten und Nachbarbäumen. Diese greife ich dann in meinen Gärten auf, sodass sich die Grenzen in Übergänge auflösen. Denn die Natur kennt auch keine Grenzen, sondern nur Übergänge, die man fliessen lässt. Diese Gestaltungsregel ist gerade für kleine Gärten wesentlich, um ihnen Tiefe zu geben.


Räume und Nischen
Auch in den kleinsten Gärten muss es mehrere Räume und Nischen, eventuell Terrassen geben, wo man sich zurückziehen kann. Etwa alle drei Meter verändert sich die Sichtachse, so dass nach aussen betrachtet und im Garten selbst immer neue Bilder entstehen. Ebenso verändert sich zu jeder Tageszeit der Lichteinfall. Je nach Bedürfnis kann der/die GartenbewohnerIn auswählen, auf welcher Terrasse er/sie sitzen möchte, um Sonne oder Schatten sowie Höhe und Tiefe zu geniessen . Von diesen verschiedenen Sitzplätzen aus kann das Haus auch in Ruhe betrachtet werden.


Anziehung durch den Garten
Stehe ich auf der Terrasse vor dem Haus, muss mich der Garten herausfordern, in ihn hineinzugehen, um Neues zu entdecken, um mich an Bekanntem zu erfreuen. Ein Weg führt in den Garten hinein, auf einem anderen Weg oder über den Rasen komme ich wieder zurück, so dass ein Rundgang entsteht. Der Garten muss jeden immer wieder begeistern, hineinzugehen und dort zu verweilen.


Bedürfnisse der Besitzer und der Kinder
In erster Linie soll der Garten zweckmässig und pflegearm sein. Er passt sich den Bedürfnissen seiner Besitzer, aber auch ganz besonders denen der Kinder an. In einem Garten mit Unterbrechungen und verschiedenen Ebenen suchen sie sich ihren eigenen Raum und Kletterbaum.


Akzente im Garten
Akzente entstehen durch Pflanzengruppen, Alleen, Terrassen, Gartenhäuser, Pavillons, Kunst und Kunstobjekte, Quellsteine, Kaskaden, Bäche und Wasserlandschaften. Die einzelnen Akzente, eingebettet in die Umgebung sollen fließend und gefühlvoll von einem Raum in den anderen übergehen. Der Akzent ist kontrastreich oder harmonisch, je nachdem, was der Garten zulässt.

Anstatt das Grundstück durch Hecken einzugrenzen und damit die Gartenbegrenzungen noch zu betonen, löse ich den Wunsch nach Intimität im Garten, indem ich vor der Terrasse eine Gruppe von Pflanzen setze, die Geborgenheit gibt. Durch Wiederholung der Pflanzengruppen im Garten entstehen Tiefenwirkung und Stimmung.

Platzierung der Akzente
Die Akzente setze ich nach Möglichkeit in die äussersten Ecken. Das hält den Garten räumlich gross . Ein Teich mitten im Garten kann der ganzen Anlage die Wirkung nehmen.

Vorsicht mit den Materialien
Für einen Laien ist es schwierig, mit der Vielfalt der Materialien richtig umzugehen. Ein buntes Hemd verträgt keine bunte Hose. Die Architektur des Hauses mit ihrer Vielfalt der Materialien duldet nicht, dass die Wege auch noch farbig oder mit Mustern verlegt werden. Ein Grauton in all seinen Variationen ist fast immer die beste Lösung.

Bei rotem Klinker am Haus ist man geneigt, die Farbe bei der Wegeführung zu wiederholen. Aber um das Haus wirken zu lassen, müssen alle anderen Farben eine untergeordnete Rolle spielen. Man kann die Farbe der Fugen, des Daches oder der Fensterbänke in den Wegen wiederholen, aber nicht die des Mauerwerks.

Charakter der Pflanzen und Stimmung des Gartens
Der Charakter der Pflanzen bestimmt die Atmosphäre und die Stimmung des Gartens. Wie in der Natur sollte auch die Unterbepflanzung relativ dicht sein. So trocknet die Erde nicht aus und der Pflegeaufwand ist gering. Ausserdem erhält der Garten Volumen. Der Charakter der Solitärpflanzen wird durch die entsprechende Unterbepflanzung unterstrichen.

Garagenauffahrt
Die Garagenauffahrt am Haus sollte weder das Haus noch das Nachbargrundstück berühren. Ein Splittstreifen von 20 bis 40 cm mit ein paar Pflanzen lockert das Ganze auf und verbindet die Garagenauffahrt mit dem Garten. An der Stelle, wo man aussteigt, sollte reichlich Platz sein. Ausserdem führt ein direkter Weg zur Haustür. Ich vermeide Steinlandschaften, denn diese machen jedes Haus kalt und unpersönlich.

Eingangstreppen und Vorgarten
Die Form der Treppe wird bestimmt durch das Haus (Tür, Fenster und Dach). Meist ist die gerade Form richtig, denn sie ist neutral und passt fast immer. Runde, schräge aber auch andere Formen können interessant sein. Es ist eine besondere Herausforderung, einen Vorgarten zweckmässig , passend und schön zu gestalten. Aber ein geschultes Auge zeigt Ihnen die passende Form.

Wege
Die Wege lege ich höher als die Oberfläche. So können Wind und Regen sie sauber halten, und die Pflanzen rechts und links bekommen Wasser.

Höhen und Tiefen
Zusätzliche Akzente lassen sich durch Höhen und Tiefen sowie Schrägen in der Rasenfläche setzen. Das optimiert die Perspektive und bringt Abwechslung in den Raum.

Terrassen, Gartenebene, Nachbargrundstück, Kellerfenster, Kellertür sind in der Höhe immer unterschiedlich. Diese verschiedenen Ebenen übernehme ich im Garten. Der Effekt der unterschiedlichen Höhen verblüfft jeden Gartenbesitzer und bringt ungeahnte Vielfalt und Tiefenwirkung in die Gartenlandschaft.

Kelleraufgang
Es gibt immer einen Grund die Höhenunterschiede zu akzentuieren. Zum Beispiel macht man am Kellerausgang zum Garten hin ein kleineres oder grösseres Plateau. So wird der Abgang zum Keller bereits zu einem interessanten Teil des Gartens.


Wasserlandschaft
Auch die Wasserlandschaft: Wasser, Fläche, Biotope, Schwimmteiche, Bäche und Kaskaden prägt den Charakter des Gartens. Die Spiegelung im Wasser bringt zusätzliche Lichteffekte und betont die Tiefenwirkung. Die Tierwelt entwickelt sich um das Wasser in einer ganz besonderen Art und fasziniert den Betrachter. Quellstein, Bäche und Kaskaden können eine wohltuende Geräuschkulisse sein.

 

Udo Nehling

 

Diese Bilder zeigen ausschließlich von Udo Nehling entworfene und ausgeführte Gärten. Daher sind sie urheberrechtlich geschützt und dürfen nicht durch Fremde genutzt oder vervielfältigt werden.